Die mündliche Schulaufgabe in Jahrgangsstufe 10

1. Konzept
Die mündliche Schulaufgabe, die in den modernen Fremdsprachen seit G8 fester Bestandteil der Prüfungsformen ist, hat sich seit dem Schuljahr 2014/2015 auch im Fach Latein etabliert.
Sie wird im Rahmen der Dichtungslektüre in der Jahrgangsstufe 10 abgehalten und bildet den Abschluss einer ca. vierwöchigen Projektarbeit, bei der die Schüler in Dreierteams Ovids Metamorphosen sprachlich und inhaltlich erschließen und ihre Ergebnisse im Plenum präsentieren. Die Schulaufgabe selbst ist dann eine Art „Minikolloquium“, d. h. der Schüler hält ein kurzes Referat über einen Ausschnitt aus einem ihm bekannten Textcorpus und stellt sich anschließend in Anwesenheit eines Zweitprüfers den thematischen Fragen seiner Lehrkraft (s. Ablauf und Durchführung). Die mündlichen Schulaufgaben finden parallel in allen Lateingruppen der 10. Klassen statt. Damit ist das Prinzip der Vergleichbarkeit gewährleistet, welches der Fachschaft ein großes Anliegen ist.
Die Überlegungen, die hinter diesem Konzept stecken, sind neben der gezielten Förderung von Eigentätigkeit und der Vorbereitung auf die Oberstufe die Einbeziehung mündlicher Kompetenzen, die nicht nur in der modernen Lebenswelt eine wesentlich Rolle spielen, sondern sich gerade in der Bedeutsamkeit der antiken Rhetorik widerspiegeln. Ferner erfordert die vorausgehende Projektarbeit eine intensive Beschäftigung des Schülers mit kulturell bedeutsamen Stoffen, die wiederum eine gezieltere Vorbereitung auf die Schulaufgabe ermöglicht. Dadurch soll dem Schüler die Angst vor der eher als schwer empfundenen Dichtungsschulaufgabe genommen werden.

Die erzielten Ergebnisse sowie die Evaluation durch die Schüler bestätigen diese alternative Prüfungsform sowohl als motivierend als auch als Chance für Schüler mit schlechteren Sprachkenntnissen.
2. Ablauf und Durchführung (Bsp.: Ovid, Metamorphosen)

  1. Einführungsphase: ca. 3 Wochen „normaler“ Unterricht
  2. Unterrichtsprojekt: ca. 4 Wochen selbständige Arbeit
  3. Präsentationen im Unterricht (innerhalb einer Woche)
  4. mündliche Schulaufgabe (innerhalb 1 Woche)
  5. Exkursion zur Herreninsel mit Besichtigung des „Latonabrunnens“

2.1 Einführungsphase

Leben und Werk Ovids / Übersetzung des Vorworts und einer gemeinsamen Metamorphose / Festigung der Kenntnisse in Stilistik und Metrik / Autorenwortschatz

Anforderungen: Abfragen (Wortschatz, Wiederholung, Metrik), eine Stegreifaufgabe

2.2 Unterrichtsprojekt

  • Bildung von Dreiergruppen: Zuteilung zweier Metarmorphosen durch Los; Textumfang ca. 150 Verse
  • Erschließung des Textes (inhaltlich, sprachlich, metrisch und rezeptionsgeschichtlich), dabei:

  • selbständige Einteilung des in Haus- und Schularbeit zu bewältigenden Pensums
  • Erarbeitung ohne lückenlose Überprüfung der Ergebnisse durch Lehrkraft

Hilfsmittel:
Fachlexika, Wikipedia, lat.-dt. Wörterbücher, lat. Grammatik, Übersetzungen

Dokumentation:
eigene Übersetzungen, Exzerpte, Klärung gramm. Fragen, Computerausdrucke, verwendete Literatur usw.

2.3 Präsentation

Vorstellung der jeweiligen Metamorphose während des Unterrichts in der Gruppe
(inhaltlich, sprachlich und rezeptionsgeschichtliche Erschließung)

-> mündliche Note (doppelt gewichtet)

Bewertungskriterien: Inhalt und Aufbau, Darbietung, Sprache

2.4 mündliche Schulaufgabe

Art der Prüfung:

Einzelprüfung (Blockbildung: gleiche Prüfung hintereinander für die jeweilige Dreiergruppe)

Dauer:

15 Min.

Vorbereitung:

15 Min. Vorbereitung (Verwendung eines zweisprachigen Lexikons)

Prüfer:

Ein Zweitprüfer ist anwesend.

Aufbau der Prüfung:

zweiteilig

  1. Schülervortrag (inhaltliche u. sprachlich-formale Erschließung eines bekannten Textausschnittes aus einer der vorbereiteten Metamorphosen (ca. 6-8 Verse)
  2. Prüfungsgespräch mit (Rück-)fragen zu Metrik, Grammatik, Stilmittel, einem unbekannten Rezeptionsdokument, Inhalt der Metamorphosen, Leben und Werk des Autors

Bewertungskriterien:
formale, sprachliche, inhaltliche Interpretation (Bewertungsbogen)

!!Sperrklausel: Gesamtnote ausreichend nur dann, wenn die sprachliche Leistung mindestens mit „mangelhaft“ bewertet wird (vgl. schriftliche Schulaufgabe)