Vier Jahrzehnte Schüleraustausch am LTG Prien

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„Graulhet, ja was wußte man schon davon? Ein kleines Industriestädtchen im Süden Frankreichs – weit, weit weg. Tja, Sitzfleisch musste man schon beweisen – was sich aber auch gelohnt hat. Das Ganze war nämlich eine pfundige, runde Sache. OK, zugegeben, ich hatte ein mordsmäßiges Glück mit meiner Austauschfamilie. Ob’s trotzdem mal Langeweile gab? Aber nein, im Gegenteil! Ausflüge gab’s zur Genüge, und sogar die Schule bekam ihren Reiz.“

So beginnt der Artikel über den Austausch mit unserer Partnerschule in Graulhet im Jahresbericht von 1986/87. Auch heute gilt sicher immer noch, dass die Teilnehmer ihr Austauscherlebnis in guter und bleibender Erinnerung behalten. Auch die anfängliche Unsicherheit ist manchmal noch zu beobachten, aber nach vier Jahrzehnten Austausch ist Graulhet eine feste und bekannte Größe an unseren Schulen geworden.

Sicher gab es auch Höhen und Tiefen. So schreibt Herr Kluge 1993/94: „Der Schüleraustausch mit Graulhet ist immer wieder für Überraschungen gut. Während es in den Jahren 1992 und 1993 die Schüler scharenweise zum Austausch in die französische Partnerstadt drängte, nahmen 1994 ganze 3 (drei) Schülerinnen aus unserem Haus teil. Das Geheimnis dieser Schwankungen ist schwer zu ergründen“. Doch glücklicherweise haben auf deutscher Seite Realschule, Waldorfschule und Gymnasium stets gut zusammengearbeitet, und das Problem heute liegt eher darin, dass wir am LTG zu viele Interessenten haben. Außerdem ist es vor allem dem persönlichen Engagement von M. Renoux und M. Raymond zu verdanken, dass der Austausch in Graulhet eine feste Größe ist und bleibt. Hier wäre noch Frau Claudia Brugger zu nennen, die während der Übergangszeit nach dem Tod von M. Renoux die Motivation der französischen Schüler am Leben hielt.

 Inzwischen hat Stéphane Raymond das Erbe angetreten und dem Austausch neuen Schwung gegeben. In unermüdlichem Einsatz kämpft er für die deutsche Sprache und um Schüler. Diese sind begeistert von seinem Unterricht und seinen innovativen Methoden. Auch bei seinen Dienstherren blieb dies nicht unbemerkt: So konnte er beispielsweise einen nationalen Preis für den besten Deutschlehrer gewinnen. Selbst in seiner Freizeit verbringt er Stunden mit der Erstellung von Dokumentationen der Austauschfahrten oder macht Werbung für Deutsch an den Grundschulen. Verbunden mit den guten persönlichen Kontakten zur deutschen Lehrerschaft liegt bei ihm die Zukunft der Partnerschaft in guten Händen.

Nun noch ein paar Worte zur Chronik auf Seiten des LTG: Nach den noch nicht fest institutionalisierten Anfängen, in denen es z.B. auch Kontakte zum Lycée Rascol in Albi gab, entwickelte sich der Austausch mit Graulhet unter der Leitung von Herrn Wolfgang Kluge rasch zu einer festen Größe. Seit 1958 am LTG, war er ab Mitte der 70er als Begleiter des Austauschs nicht mehr wegzudenken. Viele Schülerberichte würdigen seine Begeisterung(sfähigkeit): „Herr Kluge begann mit seinen Ausführungen über Geschichte, Berühmtheiten und Sehenswürdigkeiten der zu durchfahrenden Gebiete. Dies wurde während der gesamten Fahrt so weitergeführt und ließ bei niemandem Langeweile oder Schlafbedürfnis aufkommen.“ (JB 1980/81) Und er selbst schreibt im JB 1992/93: „Wenn man, wie der Verfasser, sein Leben Frankreich, seiner Kultur und der Versöhnung unter den Völkern gewidmet hat und fast 20 Jahre lang am Schüleraustausch aktiv mitgewirkt hat, sieht man die neuen Entwicklungen mit Freude“. – Dem ist eigentlich kaum etwas hinzuzufügen.

Erwähnt sei nur noch, dass seitdem Herr Siegfried Schmid, Frau Anette Haberl und Herr Winfried Kober die Stafette der Fachbetreuung Französisch und somit auch der Betreuung des Schüleraustauschs am LTG weitergetragen haben und dass dieser inzwischen ohnehin zu einer Art Teamwork (Pardon pour l’anglais!) geworden ist, unterstützt z.B. auch durch Frau Eva Bogenberger und Herrn Franz Auer. Dank auch den hier nicht namentlich genannten Lehrkräften und Referendaren, die bei Not am Mann kurzfristig eingesprungen sind.

Langeweile gibt’s also keine. Doch dazu trägt sicher nicht nur das von den Lehrkräften organisierte Programm bei – hier stellt schon Herr Kluge fest, dass „sich die Besuchsziele auf dem Reiseweg (Orange, Avignon, Mittelmeer) und rund um die Partnerstadt (Albi, Cordes, Gaillac) sowie in Toulouse (Innenstadt, Flugzeugfabrik Airbus) seit Jahren nicht verändert haben“. (JB 92/93) Fast ungläubig erinnert sich ein deutscher Teilnehmer: „Die französischen Schüler sind viel offener als die deutschen, sie kommen, schließen Kontakte, und die Stimmung an einer französischen Schule ist mit der an einer deutschen nicht zu vergleichen; so lag der Rekord eines deutschen Austauschschülers bei ca. 10 Anträgen pro Woche.“ (JB 90/91) Letztlich sind es also sicher die persönlichen Erlebnisse, die kulturellen Unterschiede und die Kontakte mit den Menschen, die eine Teilnahme am Austausch immer zu einem prägenden Erlebnis machen werden.