Lesung von Alois Prinz: „Der Brandstifter. Die Lebensgeschichte des Joseph Goebbels“

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Am 3. Juli fand für die 9. Klassen in der Aula des LTG eine Lesung von Alois Prinz statt. Passend zum diesjährigen Unterrichtsstoff in Geschichte, dem Nationalsozialismus, wurde uns das Buch „Der Brandstifter. Die Lebensgeschichte von Joseph Goebbels“ vorgestellt.

Alois Prinz verfasste eine Biographie in Form eines Jugendbuches über Joseph Goebbels, wie er es bereits über Persönlichkeiten wie Kafka, Apostel Paulus oder Ulrike Meinhof tat. Hierzu verwendete er teils noch unbekannte Quellen über und von Goebbels.

Der erste Teil der Lesung bestand darin, dass Herr Prinz uns noch einmal das Thema Nationalsozialismus vergegenwärtigte, indem er kurz auf den Verlauf der Machtergreifung und den Verlauf des Krieges einging. Vor allem jedoch wurde uns Goebbels‘ Leben dargelegt, was die Tür dazu öffnete, zu verstehen, wie ein Mensch so manipulativ werden kann. Hierzu erzählte Alois Prinz einiges, und er las aus seinem Buch vor.

In seiner Jugend wurde Goebbels gemobbt, da er einen Klumpfuß hatte. Immerzu versuchte er, Liebe und Anerkennung zu erhalten, wobei er jedoch viele Enttäuschungen erlebte. Schon zu Schulzeiten gab er sich der Literatur hin und träumte davon, Schriftsteller zu werden. Da er durch seine Behinderung nicht für körperliche Arbeit geeignet war, hatte er erkannt, dass er „die anderen“ durch Intelligenz übertrumpfen konnte. Nachdem er das Abitur als Jahrgangsbester bestanden hatte, sollte er als Sohn eines katholischen Haushalts Theologie studieren;  schließlich setzte er seinen Wunsch, Germanistik zu studieren, durch. Doch auch im Studium hatte er mit Minderwertigkeitskomplexen aufgrund seiner sozialen Herkunft zu kämpfen, und die Tatsache, dass er lange Zeit arbeitslos war, zermürbte ihn. Immerzu suchte er nach Liebe, weshalb er viele Kontakte zu vielen Frauen pflegte.

Durch die Arbeit bei einem völkischen Blatt entstand der Kontakt zur NSDAP. Schon bald trafen Hitler und Goebbels aufeinander, wobei wohl sofort Sympathien entstanden, obwohl Goebbels damals noch deutlich kommunistische Ansichten vertrat. Hitler war für ihn wie ein Gott. Er himmelte ihn an; in seinem Tagebuch schreibt Goebbels stets, dass er Hitler liebe. Rasch arbeitete Goebbels sich durch rhetorisches Geschick im NS-Regime hoch bis hin zum Gauleiter vom damals absolut linken Berlin, das er für die NSDAP gewinnen sollte. Als es 1933 zur Machtergreifung kam, machte Hitler Goebbels zum Propagandaminister. Von da an gehörte er zum Führerstab und war Nazi von Herzen. Die folgende Geschichte ist ja bekannt: Noch nie da gewesene Manipulation und Propaganda gehen auf Goebbels so sehr zurück, dass ohne sie das gesamte NS-Regime vielleicht deutlich erfolgloser gewesen wäre. Als Höhepunkt seiner Karriere wird seine propagandistische Appell-Rede  nach Stalingrad zum totalen Krieg  angesehen. Goebbels‘ Familie war die deutsche Vorzeigefamilie, und er selbst sah sich selbst am liebsten als Frauenheld.

Als 1945 die Rote Armee bereits in Berlin war, brachten sich Hitler und er um. Goebbels war sogar so fanatisch, dass er seine Kinder tötete, damit diese kein Deutschland ohne Hitler erleben sollten.

Kannten wir nun also die Lebensgeschichte des zweitwichtigsten Nazis, so war es uns klar verständlich, wie aus einem sich selbst ungeliebt fühlenden Menschen ein derartiger Manipulator werden konnte: Die Verfälschung seines Selbstbildes und die Erkenntnis, dass er „die anderen“ mit Intelligenz beherrschen konnte, übertrug er als Fake News und geniale Rhetorik auf die Politik. Uns wurde klar, dass Goebbels Erfolg hatte, weil er sich selbst angelogen hat, weil er all seine Lügen mit der Zeit für wahr gehalten hat.

Zum Schluss blieb noch Zeit für Fragen unsererseits.

Interessant war, dass Herr Prinz tatsächlich Zugang auf bisher unverwertete Quellen zu Goebbels hatte, was für ihn auch ein maßgeblicher Grund war, eine Biographie über Goebbels zu verfassen. Auch die Tatsache, dass die gesamte nationalsozialistische Katastrophe oftmals an Hitler alleine festgemacht wird, motivierte ihn zum Schreiben.

Nach der Veröffentlichung stand das Buch zunächst sehr in der Kritik. Man solle Kinder nicht mit derartig manipulativen Abgründen konfrontieren, hieß es.

Wir jedoch fanden, dass es genau solch ein Buch ist, das es braucht, um das NS-Regime am Beispiel eines sehr wichtigen Funktionärs zu sehen und seine Mechanismen ein Stück weit zu verstehen.

Die Lesung brachte uns viele neue Erkenntnisse und entscheidende Eindrücke.