„Herrscher im Porträt“

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Bei schönstem Wetter und gestärkt vom Bäcker fuhr der Lateinkurs von Frau Haberl am 07.12 mit dem Zug zum Münchner Hauptbahnhof. Dort angekommen marschierten wir zur Glyptothek, vor der eine vielfach vergrößerte Kopie des Kopfes der berühmten Augustusstatue von „Primaporta“ zur Sonderausstellung „Charakterköpfe“ einlädt. Der Versuch uns als Gruppe von einem Touristen fotografieren zu lassen, scheiterte kläglich, da er, zu unserer Belustigung, erst die linke und dann die rechte Hälfte der Gruppe fotografierte. So gibt es ein Gesamtbild der Gruppe nur von der Kursleiterin.

Im Gebäude wurden wir mit einem freundlichen Servus von Sebastian Geisler begrüßt, der sich als unser Museumsführer entpuppte. Als erstes stellte er uns die gemeine Frage, ob es sich bei der Statue am Eingang der Halle um einen Griechen oder Römer handelt. Die Antwort ist weder noch. Es handelt sich um den Bayer König Ludwig I. und außerdem den Bauherrn dieser Glyptothek.

Das Wort Glyptothek ist gebildet aus den altgriechischen Wörtern „glyphein“ (meißeln) und „theke“ (Ablage). Es bezeichnet also einen Aufbewahrungsort für Skulpturen. In diesem Fall sind antike Originale aus der archaischen Zeit (7./6. Jh. v. Chr.), über die griechische Klassik (5./4. Jh. v. Chr.) und den Hellenismus (3.-1. Jh. v. Chr.) bis hin in die römische Kaiserzeit und die Spätantike (1.-5. Jh. n. Chr.) zu bewundern.

Hauptsächlich sind Skulpturen, aber auch Bildwerke, Münzen, Schmuck und Portraits herausragender Dichter, Philosophen und Herrscher, von Homer bis Konstantin den Großen zu finden.

Sehr amüsant, aber auch zutreffend, waren die Beschreibungen der Skulpturen und Portraits von Herrn Geisler. So wies er z. B. auf das „dümmliche Playmobil-Grinsen“ der archaischen Statuen im Saal der Jünglinge, selbst in Todesszenen hin. Deutlich machte er uns auch den Unterschied zwischen den Portraits der republikanischen Zeit und der Kaiserzeit. So verwies er auf die „Türsteher-Visagen“ der Diktatoren Marius und Sulla (1. Jh. v. Chr.), die sich bewusst streng und alt darstellen ließen, um Erfahrung zu vermitteln und dem Betrachter Respekt einzuflößen. Ganz anders dagegen die stets jugendliche, gottgleiche Darstellung des langjährigen Herrschers Augustus, die an Alexander den Großen erinnert.

Wir bekamen zudem eine komplette Übersicht über die römische Geschichte. Witzig war dabei auch die „Game of Thrones“-artige Erzählung, wie Agrippina, die Mutter Neros, es durch Intrigen schaffte ihn zum Kaiser zu machen nur um dann auf seinen Befehl hin umgebracht zu werden.

Interessant waren vor allem die Vergleiche der propagierenden Darstellungsweise der römischen Machtpersonen mit denen der heutigen Zeit, beispielsweise Wladimir Wladimirowitsch Putin oberkörperfrei auf einem Pferd.

Dank der unterhaltsamen Führung von Herrn Geisler und dank Frau Haberl, die uns die Exkursion überhaupt erst ermöglicht hat, war es ein sehr gelungener Tag, der uns alle mehr als nur positiv überrascht hat.