CELEBREMUS OVIDIUM!

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Heuer jährt sich zum 2000. Mal der Tod des wohl berühmtesten Dichters Roms:  Publius Ovidius Naso - oder kurz: Ovid. Dieses Jubiläum hatte die Stiftung Humanistische Bildung in Bayern zum Anlass genommen einen Ovid-Wettbewerb ins Leben zu rufen.

Auch unsere Schule nahm an diesem Wettbewerb teil. Die Schüler kamen aus der letztjährigen 10. Jahrgangsstufe, in der Ovids Metamorphosen gelesen werden. Dieses in Versen verfasste mythologische Werk, in dem unterhaltsam ca. 250 Verwandlungssagen präsentiert werden, ist ein Stück Weltliteratur und hatte starken Einfluss auf Literatur, Malerei und bildende Kunst.

An unserer Schule erfolgt die Durchnahme von Ovid seit einigen Jahren im Rahmen einer Projektarbeit mit abschließender mündlicher Schulaufgabe. Auf diese Weise setzen sich die Schüler intensiv mit einzelnen Metamorphosen auseinander. Schnell waren daher tolle Ideen für Wettbewerbsbeiträge gefunden.

Aber hören und sehen Sie selbst! 

Beitrag 1: Latein-„Performance“ auf Herrenchiemsee

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Eine dieser Metamorphosen ist die Geschichte von Latona und den lykischen Bauern. Ein monumentales Zeugnis für die Rezeption dieser Geschichte findet sich nicht unweit unserer Schule im Schlossgarten von Herrenchiemsee. Diesen Glücksfall machte sich die Lateingruppe von Herrn Auer zunutze und begab sich auf Exkursion zum sog. Latona-Brunnen. Dieser befindet sich im Zentrum der Gartenanlagen und ist wie das gesamte Schloss eine Kopie: König Ludwig II. schwärmte ja bekanntermaßen für den Sonnenkönig Frankreichs Ludwig XIV. und dessen Schlossanlage in Versailles, die er 1874 auf einer Reise besichtigte.

Der Brunnen zeigt die Göttin Latona und die von ihr verwandelten Bauern sowie andere Wassertiere. Die Metamorphose wird dadurch veranschaulicht, dass die Bauern in verschiedenen Stadien der Mutation gezeigt werden. Einige sind noch menschlich, einige halb Mensch und halb Frosch, und die übrigen sind bereits in Frösche verwandelt. Es lässt sich auch gut interpretieren, warum der absolutistische Louis XIV gerade dieses Motiv veranschaulichen wollte: Wenn die Bauern (= das Volk) den nötigen Respekt vor der Hierarchie (Götter = König) verlieren, wird es ihnen schlecht ergehen. Für unseren bayerischen König war diese Botschaft wohl eher zweitrangig.

In der eindrucksvollen Kulisse direkt vor dem Brunnen wurden drei kurze Filme gedreht. Die Schüler spielten Reiseführer, stellten den Brunnen und die Latona-Geschichte näher vor und „performten“ anschließend als Gesamtgruppe die Verse Ovids im Original-Versmaß (Hexameter).

Beitrag 2: kreative Umsetzung einzelner Metamorphosen Ovids

10:11 Min., 155 MB

Die zweite Ovidaktion, die Lateinschüler von Frau Haberl und Frau Kelnhofer durchführten,  war die kreative Umsetzung ausgewählter Metamorphosen. Dabei sollten sich die Schüler je nach Interessenslage für eine Geschichte entscheiden, sich ein oder mehrere Partner suchen oder auch alleine arbeiten. Der eigenen Kreativität waren dabei keinerlei Grenzen gesetzt. Zwei Metamorphosen erwiesen sich als Renner: die lykischen Bauern, unsere „Heimmetamorphose“ (s. o.) und Orpheus und Eurydike. In den Folgestunden wurde nun mit einfachen Mitteln ein kreatives Produkt erarbeitet. Dabei war die Bandbreite groß. So entstanden teils recht lustige kleine Filmsequenzen, Plakate oder Werbespots, aber es gab auch nachdenkliche Umsetzungen in Gedichten. Gedreht wurde in und um die Schule, manche Gruppen wählten in Eigeninitiative einen außerschulischen Drehort und vollendeten ihr Produkt in ihrer Freizeit.

Anschließend erklärten sich zwei Schüler bereit, aus den einzelnen Einheiten einen Film zu erstellen. Ein Dankeschön an dieser Stelle an Felix Schlosser und an Benedikt Schnebel!

Als Anfang November die Fachjury die Gewinner bekannt gab, waren wir zwar nicht unter den ersten dreien der insgesamt 40 teilnehmenden Schulen, aber der Einfallsreichtum unserer Schüler wurde mit einem Buchpreis gewürdigt: „Winterland“: der neueste Ovid-Roman von Hubert M. Schießl .

Mehr als dieser Preis zählt jedoch, dass die Aktionen den Schülern viel Spaß gemacht haben. Und alle Beteiligten – auch wir Lehrer - waren am Ende stolz auf das entstandene Gemeinschaftsprodukt.

A.Haberl / F. Auer