Leidvolle Trennungserfahrung

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Wahrheiten über echte Panikattacken und veritable Prüfungsängste

- oder einfach: Vorschlag eines "Win-win-Szenarios"


Kennt ihr das? Am Abend mal wieder viel zu lange vor Handy oder Fernseher gesessen und kaum geschlafen, bevor einen der Wecker aus dem viel zu kurzen Schlummer reißt? Man schlurft im Halbschlaf zur Schule, draußen ist es noch fast dunkel, auch im Gang empfängt sanfte Dämmerung – beste Voraussetzungen zum Weiterschlafen in der ersten Stunde. 

Aber weit gefehlt! Man öffnet die Tür zum Physiksaal und kann die Augen nun erst recht nicht öffnen, so geblendet wird man... 

Der ganze Raum ist in neonfarbenes Licht getaucht und von den grauen Tischen ist fast nichts mehr zu sehen, denn da stehen die bei Lehrern beliebten, bei Schülern allgemein verhassten, grässlichen prismaförmigen Kartontrennwände. Aber nicht etwa die weißen mit den Kugelschreiberschmierereien und den Wellenlinien, die Geschichten von Leidensgenossen erzählen und die man so schön nachmalen kann, wenn man mal gar nichts weiß. Nein! Es sind die regenbogenfarbenen Mauern.

Einen halben Meter hoch, zehn Zentimeter breit, aus Karton mit Wellenlinien sehen sie aus wie die Hinterlassenschaften eines Einhorns (O-Ton eines Sechstklässlers). Es ist unter allen Schülern weithin bekannt, dass diese Trennwände Panikattacken, Schwindelanfälle, latent andauernde Übelkeitsreize und vorübergehende Blindheit, ja mutmaßlich sogar Augenkrebs auslösen können.Zumindest ist psychedelisches Flimmern für 20 laaange Prüfungsminuten programmiert. 

"Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte irgendeinen Schüler!" Der wird zwar aus eigener Ohnmacht auch nicht helfen, aber geteiltes Leid ist halbes Leid.

Zurück zur aktuellen Situation: Man steht geblendet in der Tür zum Physiksaal, das Gehirn versucht gerade, das Gesehene zu verarbeiten, der Fluchtreflex wird ausgelöst. Aber bevor die Beine sich in Bewegung setzen können, kommt ein viel zu gut gelaunter Physiklehrer auf einen zu, die Ex in der Hand und winkt, man solle doch hereinkommen in die gute Stube, so schlimm sei die Ex ja gar nicht. 

Als ob Lehrer diese Situation ohne Schülersupport verstehen könnten! Ich will ein bisschen Nachhilfe geben: Panikattacken, Fluchtreflexe et cetera gelten doch gar nicht  primär der Ex. Sie liegen mindestens zu 99% an den Regenbogentrennwänden!

Um die Zahl der anwesenden Schüler bei jeder Art von Test zu erhöhen, wäre der erste Schritt ganz einfach der konsequente Einsatz der weißen Trennwände und die Entsorgung der bunten! Das heißt jetzt nicht gleich, dass die weißen Spionage-Abwehr-Kartons und ihre Folgen etwa beliebt wären. Aber jedem Schüler sind die darauf hinterlassenen Kugelschreiberschmierereien wie "Die Mauer muss weg!", "Wir sind das Volk!" oder einfach nur "Hallo!" allemal lieber, als schwindelerregende Wellenlinien in verschwimmenden Farben des Regenbogens!

Also, unsere Botschaft an alle Lehrer: Tun Sie bitte uns – und auch Ihnen selbst – diese Folter nicht an! Greifen Sie doch einfach zur Schachtel mit den weißen Trennwänden! Denn diese sind unbedingt zu empfehlen - wenn man welche braucht... Das senkt sicher die Prüfungsangst und hebt die Arbeitsmoral der meisten Schüler um Welten und verbessert damit bestimmt auch Ihre Laune beim Korrigieren. Win-win eben!



Alicia Pechan, Q11