„Nie wieder“, „Never again“ oder „Jamais plus“

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Nach einer busbedingten Verzögerung von einer guten Stunde sind wir am 20. Juli 2017 etwas später als geplant in Dachau angekommen. Zu Beginn haben wir mit Hilfe des Geländeplans den Aufbau des ursprünglichen Lagers besprochen. Anschließend sind wir auf der Straße, auf der die Häftlinge früher zum KZ gebracht wurden, zum Eingangstor gegangen. Die Situation, in der sich die Häftlinge befunden haben müssen, ließ sich zu diesem Zeitpunkt nur schwer nachvollziehen, da das sicherlich bedrohliche Gebäude, in dem in einer regelrechten Massenabfertigung die Personalien der neuen Häftlinge aufgenommen wurden, heute nicht mehr steht. Doch sobald man durch das Tor, das das KZ von der Außenwelt abgeschirmt hat, mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“, auf den ehemaligen Appellplatz tritt, ändert sich die Atmosphäre. Das ganze Gelände ist von einem Stacheldrahtzaun umgeben und mit zahlreichen Wachtürmen, die früher rund um die Uhr besetzt waren, versehen, was ziemlich bedrohlich wirkt.

Als erstes sind wir zu den sogenannten Wirtschaftsgebäuden gegangen. Hinter diesem doch relativ unscheinbar klingenden Namen verbarg sich allerdings etwas ganz anderes, denn hier mussten die Häftlinge bei ihrer Ankunft alle Kleider und persönlichen Gegenstände abgeben. Nach einer Rasur und einem Bad in einer Solelösung wurde die  oft nicht passende „neue“ Kleidung angezogen. Eine  Ausstellung, die sich jetzt in Wirtschaftsgebäude befindet, informiert zum einen über die NS-Geschichte im Allgemeinen, erklärt aber auch die Entstehung des KZ Dachaus, sowie die verschiedenen Arten von Gefangenen, die man an bestimmten Symbolen erkennen konnte und  Probleme, wie Hunger und Bestrafungen, mit denen die Häftlinge neben ihrer Arbeit zu kämpfen hatten. Die kühlen Räume mit den kahlen Wänden, die sehr an das Innere einer Fabrik erinnern, geben einem eine gute Vorstellung, wie die Menschen sich hier gefühlt haben müssen und wie es hier ausgesehen hat. Die wenigen Ausstellungsstücke, wie eine Rasierset und ein Bock, auf dem Häftlinge auf Grund von Fehlverhalten ausgepeitscht werden konnten, verdeutlichten dies alles noch einmal gegenständlich.

Herr Krammer hat uns dann anschließend erklärt, dass jeder Verstoß gegen die Lagerordnung zu einer Bestrafung führte: zu den „milden“ Strafen gehörte das Auspeitschen. Eine weitere Bestrafung wurde im sogenannten Bunker vollzogen. In diesem wurden die Häftlinge auch bis zu mehreren Wochen und Monaten ohne Licht und mit noch weniger Nahrung als normal eingesperrt, was zu einer starken Beeinträchtigung der Psyche geführt hat. Wir sind durch diesen Bunker gegangen,  ein sehr langes Gebäude mit unzähligen sehr kleinen Zellen mit Holztüren. Jeder konnte nachvollziehen, wie schrecklich es sein muss, dort eingesperrt zu sein. Dort wurden  auch medizinische Versuche unternommen, die in der Regel zum Tod der Häftlinge führten. Schrecklich fanden wir auch die Tatsache, dass sich viele Häftlinge selbst umgebracht haben oder sich freiwillig gemeldet haben, weil sie sterben wollten, um nicht mehr im KZ Dachau leben zu müssen.

Danach sind wir zu den Nachbauten der Baracken gegangen. In 30 Baracken sollten ca. 6.000 Häftlinge untergebracht werden. Gegen Ende des Kriegs  befanden sich in Dachau aber bis zu 12.000 Häftlinge aus ganz Europa. Obwohl die Unterkünfte auf Propaganda-Fotos der Nazis ganz annehmlich aussahen, mussten die Menschen dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Im Inneren des Baracken-Nachbaus waren für die vielen Menschen nur winzige Waschräume und Toiletten vorhanden. In den Schlafräumen waren die Menschen auf engstem Raum in Stockbetten „zusammengepfercht“. Hier nur für eine Nacht zu bleiben, erscheint uns heute „unmenschlich“, aber die Gefangenen mussten unter diesen Umständen leben. Sie wurden sogar – zum Teil sehr hart – bestraft, wenn sie ihr Bett nicht richtig gemacht haben.

Abschließend sind wir dann noch zum Krematorium gegangen, wo vorwiegend die Menschen, die aufgrund von Erschöpfung durch die harte Arbeit oder an daraus resultierenden Krankheiten gestorben sind, verbrannt wurden. Von außen sieht das Backsteingebäude mit dem Schornstein - wie auch schon die anderen Gebäude - eigentlich ganz harmlos aus, eben wie eine nette kleine Fabrik. Wenn man allerdings hineingeht, kommt man in einen Raum mit Brennöfen, in dem sog. Funktionshäftlinge ihre toten Mithäftlinge verbrennen mussten. Links und rechts davon befinden sich zwei Leichenräume. Man kann sich einfach nicht richtig vorstellen, wie schlimm das gewesen sein muss, wenn dort überall riesige Berge mit Leichen herumliegen. Das Schlimmste kam allerdings erst: Nach den Öfen ging es nämlich in die Gaskammer. Sie wurde, da Dachau auch vorwiegend dazu genutzt wurde, um Dinge für andere KZs zu erproben, nicht wirklich oft benutzt. Es fanden also keine Massenvergasungen wie in Auschwitz statt. Trotzdem war der Raum sehr beengend und das wurde durch die spärliche Beleuchtung und die niedrige Decke noch einmal verstärkt. In der Wand konnte man noch die Klappen erkennen, durch die das Gas eingeleitet wurde. Obwohl uns heute in diesem Raum keine Gefahr mehr droht, hat die meisten doch ein sehr ungutes Gefühl beschlichen und man hat etwas Angst bekommen.

Das „Nie wieder“, „Never again“ oder „Jamais plus“, für das die Gedenkstätte des KZ Dachau heute immer noch steht, soll die Schreckensgeschichte weitererzählen, an die vielen Opfer erinnern und uns zum Nachdenken bringen. Aber vor allem will uns dieser Ort erkennen lassen, was Schreckliches geschehen ist. Wir sollen daraus lernen, eben genau um dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.