Von Ponys und Promis – Oper in der Reithalle

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Eine idyllische Ruhe empfängt uns, im Wind sanft raschelnd Rosen. Der atemberaubende Ausblick ins Inntal macht die Anstrengungen der langen Anfahrt wett. Die Gehege, die die Einfahrt säumen, beherbergen die vierbeinigen Schützlinge Gut Immlings. Die zweibeinigen, Mitarbeiter und Sänger, huschen hektisch umher.

Die Chormitglieder, freundlich und zuvorkommend, bereiten ihre Stimme auf die Strapazen der nahenden Oper „Carmen“ vor. Trotz der Entbehrungen und Mühen blicken alle mit freudiger Erwartung auf die kommenden Aufführungen. Der PR-Manager Florian Maier, der sich schon in seiner Kindheit für Oper interessiert hat, beantwortet, zwischen Fernsehinterviews und Laienbetreuung springend, unsere Fragen zum finanziellen Aspekt. Der Fakt, dass jedes Mal nahezu 85% der Sitzplätze besetzt sind, überrascht uns nicht. Selbst bei der Generalprobe ist die Hälfte der Reithalle mit Opernliebhabern belegt. „Neben dem Ticketverkauf sind Sponsoren die wichtigste Einnahmequelle“, so Maier – und natürlich die vielen freiwilligen Laien, die ihr Können und ihre Zeit kostenlos zur Verfügung stellen.

Diese treten zusammen mit professionellen Künstlern auf, gekonnt setzen sie sich auf der Bühne in Szene. Das karge und einfach gestaltete Bühnenbild ist ein Vorbote auf die kommende Darbietung. Carmen – sehr schlank und mit geradlinigem, korrektem Mezzo – fehlt, vor allem im Vergleich zur stimmlich starken Leistung der Michaela, die volle, verruchte Tonlage und Ausstrahlung einer Zigeunerin – was auch darauf zurückzuführen ist, dass sie in dieser Inszenierung eben keine Zigeunerin darstellt, sondern eine eiskalte Businessfrau.

Während bei fast allen Opern das hauseigene Immling-Orchester spielt, wird Carmen von den  Münchner Symphonikern begleitet, jeder Ton, jeder Einsatz ist perfekt abgestimmt und unterstützt den Gesang der Solisten und Chorsänger. Erfrischende Abwechslung bringt auch der Kinderchor; die einstudierten Lieder und schauspielerischen Handlungen werden mit begeistertem Applaus belohnt.

Wäre das Opernfestival ohne die engagierte Unterstützung all der kleinen und großen Amateursänger finanziell tragbar? Und ohne das Engagement der Besucher, die per Shuttlebus oder über schlammige Straßen an- und abreisen? 

Angesichts jährlich steigender Besucherzahlen ist es trotz vereinzelter negativer Aspekte eine großartige Leistung, so etwas auf die Beine zu stellen. Die Frage, ob eine Oper nur in ein Opernhaus gehört, darf jeder für sich selbst beantworten.