MINT-EC Camp: Bericht von Kilian Kirchner

Nach einer sechsstündigen Anfahrt war ich endlich am Sonntag, den 14.10., in Wiesbaden angekommen. Gleich nachdem ich in der Jugendherberge eingecheckt hatte, ging das Programm auch schon los. In einer Gruppe von insgesamt 20 Schülern aus ganz Deutschland und zwei türkischen Schülern aus einem deutsch-türkischen Gymnasium in Istanbul zogen wir durch Wiesbaden am hessischen Landtag und an Villen von Richard Wagner und Alexej von Jawlensky vorbei bis zur Russischen Kirche auf dem Neroberg. Nach einigen Spielen zum Kennenlernen am Sonntagabend ging es am Montagmorgen zur Universität Mainz. Dort besuchten wir am Vormittag eine Vorlesung zu Teilchenbeschleunigern. Anschließend hatten wir die Möglichkeit, selbst den Teilchenbeschleuniger MAMI, den es seit 1979 an der Universität Mainz gibt, zu besichtigen. Im neusten Anbau MAMI-C werden Elektronenstrahlen auf eine Geschwindigkeit von bis zu 1,5 GeV beschleunigt. Da ein Linearbeschleuniger kilometerlang sein müsste, um solche Geschwindigkeiten zu erreichen, wird der Elektronenstrahl mit Hilfe von bis zu 5 Metern breiten und 450 Tonnen schweren Magneten umgelenkt, um so eine lineare Strecke mehrmals zu durchlaufen. Diese Strahlen werden dann benutzt, um die Struktur von subatomaren Teilchen wie Quarks zu untersuchen.  

Nach einem leckeren Mittagessen in der Mensa der Universität durften wir uns eine Vorlesung zu eben diesen Elementarteilchen und Bosonen, die für die Wechselwirkungen zuständig sind, anhören. Auf der Suche nach dem Higgs-Boson durften wir anschließend echte Detektorenbilder von Teilchenkollisionen am LHC des Cern auswerten. Das Higgs-Boson ist ein weiteres Elementarteilchen, das erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Leider ist der Fund dieses Teilchens nicht gelungen, da wir noch Abertausende weitere Kollisionen hätten auswerten müssen, um genug Daten zu haben. Am Abend haben wir im Kino des Gutenberg-Gymnasiums, einer weiteren MINT-EC Schule, den Film „Illuminati“ angesehen.

Am Dienstag waren wir am Vormittag damit beschäftigt, eine Paulfalle zu bauen. Mit Hilfe der Paulfalle gelang es uns, Moossporen innerhalb von zwei entgegenwirkenden elektrischen Feldern „einzufangen“. Dies sollte uns zeigen, wie beispielsweise Protonen, die mit Elektronen beschossen werden sollen, „festgehalten“ werden. Am Nachmittag hatten wir die Möglichkeit, in die verschiedenen Bereiche der Physik an der Uni Mainz Einblick zu gewinnen. Mit Hilfe eines Windkanals werden in der Meteorologie Hagelkörner oder Regentropfen untersucht. In einem anderen Experiment, dem sogenannten XENON1T -Experiment, wird versucht, dunkle Materie experimentell nachzuweisen. Abends gab es am Leibniz-Gymnasium, der anderen MINT-EC Schule in Wiesbaden, eine witzige Vorlesung zur Physik in Hollywood zu hören.

Am Mittwochvormittag besuchten wir noch zusammen die Firma Eckelmann AG, welche ein Kontrollsystem für den Teilchenbeschleuniger an der Universität Heidelberg kreiert hat und verwaltet. Hier werden Krebskranke mit Schwerionen-Strahlen beschossen, um so Tumore zu beseitigen. Mit viel neuem Wissen reiste ich mittags wieder zurück nach Prien. Insgesamt hat sich die dreitägige Reise mit abwechslungsreichem Programm sehr gelohnt.

Kilian Kirchner

Bilder ©MINT-EC