Römer zum Anfassen

Letzten Freitag besuchten uns drei „Römer mit Leib und Seele“: Gordianus Claudius Superius alias Klaus Horack vom Tourismusverband Rimsting sowie seine beiden Mitstreiter.  Alle drei sind experimentelle Archäologen und enthusiastische Mitglieder der sog. Legio II Italica, die im Rosenheimer Raum Truppenkontingente hatte. Anhand zahlreicher, in mühevoller Handarbeit selbst gefertigter Replikate stellten sie unseren 9. Klässlern das römische Militärwesen anschaulich vor. Dabei wurde der Blick immer wieder auf die Entwicklung der Ausrüstung im Laufe der Jahrhunderte gerichtet. So wurden u. a. verschiedene Modelle von Speeren, Schwertern, Schilden und Helmen gezeigt. Mit der Zeit wurden Schilde kleiner und runder, Schwerter dagegen länger und Helme in einer leichteren Billigvariante produziert. 

Darüber hinaus erfuhren wir aber auch viele andere interessante Dinge.

Wer wusste z. B., dass…

  • ein Kettenhemd unheimlich schwer wog und eigentlich eine Erfindung der Kelten war?
  • eine genagelte Sandale eine steinharte Sohle hatte?
  • Schwerter nur als Stich-, aber nicht als Hiebwaffen eingesetzt wurden?
  • nur römische Bürger im Militär dienten und das 25 Jahre lang?
  • man sich auch „Aushilfen“ holte und mit dem römischen Bürgerrecht belohnte?
  • die besten Schleuderer von den Balearen kamen und Gegner mit „Steinoliven“ vom Pferd holten?
  • die Skythen die trickreichsten Bogenschützen waren und verschiedene Pfeile im Einsatz hatten?
  • man Pfeilspitzen vor dem Schuss in die Erde steckte, damit nur leicht getroffene Gegner an einer Infektion starben?
  • die Feldzeichen, v. a. der Legionsadler, wie ein Heiligtum behandelt wurde und auf keinen Fall verloren werden durfte?
  • die Römer in ihrem Marschgepäck einen Feuerschläger und Olivenöl dabei hatten?
  • ein Schild nicht nur zur Abwehr und Formationsbildung („Schildkröte“), sondern auch als „Isomatte“ für die Übernachtung im Zelt diente?
  • der gefilzte Soldatenmantel wasserfest war?
  • ein Centurio an seinem Helmbusch und seinem wertvollen Gürtel zu erkennen war
  • ein Soldat nie heiraten durfte, damit im Falle seines Ablebens die Witwe keine „Rente“ beziehen durfte?

Anette Haberl

Schulveranstaltungen

Moderne Literaten haben die Antike wieder stark für sich entdeckt. So besucht uns seit Jahren der renommierte Jugendbuchautor Franjo Terhart, der spannende Mitratekrimis schreibt, welche an verschiedenen Orten des Imperium Romanum spielen. In einer fesselnden Lesung entführt er die Kinder in die Welt der Antike und lässt sie detektivisch am Geschehen teilhaben. Denn an manchen Stellen der Bücher ist eigener Spürsinn gefragt.
Gern gesehener Gast an der Schule sind seit einiger Zeit zwei Vertreter der lokalen Legio II, welche sich der experimentellen Archäologie verschrieben hat. Als „antike“ Legionäre präsentieren sie den Schülern bei der Beschäftigung mit der Caesarlektüre das römische Militärwesen in authentischer Art und Weise. Im Rahmen dieser Vorführung dürfen unsere Schüler viele Exponate näher in Augenschein nehmen und Antike handgreiflich erleben.

Fahrten

Museumsbesuche stellen in jeder Altersstufe eine Bereicherung dar. So erkunden unsere Lateinanfänger traditionell das nahe gelegene Römermuseum in Seebruck. Hier können sie nicht nur interessante Ausgrabungsstücke der alten Römersiedlung Bedaium entdecken, sondern Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes sogar „erleben“. So wird ihnen z. B. das Leben römischer Soldaten „begreiflich gemacht“, wenn sie in eine authentisch nachgemachte Rüstung schlüpfen dürfen.

Daneben finden regelmäßig Fahrten in die Glyptothek, Antikensammlung und das Museum der Abgüsse München statt. Hier laden immer wieder interessante Sonderausstellungen Schüler verschiedener Altersgruppen zu einem Besuch ein (z. B. "Starke Frauen", "Etrusker", "Charakterköpfe").

Anlässlich der sog. Kulturtage ging im Schuljahr 2014/2015 die Fahrt der 7. Klassen darüber hinaus nach Passau zum Boiotro-Museum.
Auch beim langjährigen Schullandheimaufenthalt der 5. Klassen in Regensburg lässt sich die Begegnung mit römischer Geschichte gut in das Programm integrieren, z. B. in Form einer Römerrallye durch das ehemalige Castra Regina. Bei Gelegenheit werden ferner

Theaterfahrten zu Stücken der klassischen Antike (z.B. Elektra, Ilias, Odyssee) oder Wanderungen bzw. Radtouren auf den Spuren der Römer angeboten (Via Iulia).

Für die 10. Klasse steht zum Abschluss der Ovid-Lektüre ein mythologischer Rundgang auf der Herreninsel mit Besichtigung des Latona-Brunnens auf dem Programm.

Da antike Themen gerne in Filmen aufgegriffen werden, werden ja nach Angebot Kinobesuche organisiert.

Projekte

Projekt- und Handlungsorientierung hat ihren festen Platz im Unterrichtsgeschehen. Sie lässt sich zum einen spontan in Einzelstunden integrieren, wenn sich Schüler z. B. im Anlegen der Toga üben, antikes Schreibmaterial oder römische Spiele ausprobieren. Zum anderen gibt es je nach Eignung des Themas auch länger angelegte Projekte, bei denen z. B. Texte kreativ umgesetzt werden, sei es als Fotoroman, Rollenspiel oder Collage. Die Fachschaft Latein gestaltet in Zusammenarbeit mit anderen Fächern auch die Projektwoche vor Ostern zum Thema „Antike“. Anfänglich stand das Projekt „Herkules“ auf dem Programm. In Film, Lektüre und kreativem Arbeiten setzten sich die Schüler mit diesem antiken Helden intensiv auseinander. Seit dem Schuljahr 2013/2014 widmet man sich der lokalhistorischen Geschichte verbunden mit einem Besuch des Römermuseums Seebruck (s.o.). Im Rahmen der Projekttage, die im zweijährigen Rhythmus gegen Ende des Schuljahres stattfinden, wird regelmäßig eine antike Bastelwerkstatt angeboten.

Schulübergreifende Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit anderen Schulen ist uns ein großes Anliegen. So steht die Fachschaft Latein im Erfahrungsaustausch mit den Lateinkollegen des Gymnasiums Raubling, mit denen seit Jahren regelmäßig gemeinsame Fachsitzungen abgehalten werden.

Literarischer Ausflug zur Schule in altem Rom

In der diesjährigen Lesestunde nahm Franjo Terhart, Autor historischer Bücher und Romane, die 6. Klassen mit auf einen spannenden Ausflug ins alte Rom zur Zeit Caesars.
Der Autor las dabei aus seinem Römerkrimi „Die Augen der Hydra“ vor, in dem auch das antike Schulsystem in Rom zur damaligen Zeit eindrücklich vor Augen geführt wird. Die vier Hauptpersonen, die Schüler Cornelia, ihr Bruder Titus, Gaius und Publius, haben zwar einen Lehrer, doch gibt es kein Schulgebäude. Der Unterricht findet also mitten in der Stadt, an einem vom Lehrer vorher festgelegten Ort, oder bei Regen in einem überdachten Laden statt. Hausaufgaben und Tests müssen auch die Römerkinder erledigen oder erleiden, glücklicherweise haben die vier Freunde aber einen sehr guten Lehrer, der viel Verständnis für seine Schüler mitbringt und auf die sonst üblichen und von den Eltern auch verlangten Schläge für schlechte Schulleistungen verzichtet. Dass gerade dieser Lehrer entführt wird, lässt die vier in ein Abenteuer stolpern, vom dem zu hoffen ist, dass alle – Lehrer und Schüler – heil daraus hervor gehen. Dieses Werk ist ein Band der Abenteuerreihe um Cornelia, Titus, Gaius und Publius, frühere Titel sind „Das Geheimnis der Amphore“ und „Der Sohn des Gladiators“, bei denen der Leser auch als Mitrater und Detektiv gefordert ist.

Als zweites Lesestück durften die Schüler schon einen ersten Auszug aus Franjo Terharts neuem, erst im Herbst erscheinenden Werk „Der Magus von Rom“ erleben, in dem es wieder um die vier Schüler und ihre Abenteuer rund um einem zwielichtigen Magier geht.

Im Anschluss an diese Premiere gab der Autor die Möglichkeit zur Nachfragen, die die Schüler zahlreich nutzten, um sich zum Schreibprozess, zur historischen Situation, zu Person und Werdegang eines Autors und natürlich zum weiteren Inhalt zu informieren.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich die Bücher der genannten Reihe auch in unserer Schulbücherei ausleihen. Dort finden sich noch andere Produkte unseres Autors, u. a. „Das Megaspiel“ ein hochaktuelles Buch, das im digitalen Zeitalter spielt.

Ben Pasedag